Ich möchte im ersten Beitrag über meine Arbeit schreiben, erzählen was die Menschen, vor allem Frauen bewegt die zu mir kommen und was mich bewegt hat, mein „normales“ Leben, mit dieser außergewöhnlichen Berufswahl aufzumischen.

Die Frauen die zu mir kommen stellen mir immer wieder die gleiche Frage: „Wie ist das mit deiner Arbeit und wie wird sie in der Öffentlichkeit angenommen?“

Mir sind schon viele haarsträubende Geschichten über meine Tätigkeit zu Ohren gekommen, die aus fantasierenden Köpfen den Weg in die Ohren anderer und aus irgendeinem Mund zu mir gefunden haben. Puhhh! Die Gerüchteküche brodelt. Kopfkino lässt grüßen. Hier möchte ich nicht näher darauf eingehen, was die Leute reden, sondern lieber erzählen was ich wirklich mache. Tatsache ist, das ich nun mal mitten auf dem Land lebe und mein Arbeitsfeld den intimen Bereich der Sexualität umfasst, der, wenn es persönlich wird, aus meiner Erfahrung doch noch unter dem Teppich gefunden wird. Hin und wieder muss ich auch feststellen, so aufgeklärt wie wir in sexueller Hinsicht immer meinen sind viele definitiv nicht. Das ist völlig in Ordnung, denn erfüllende und gesunde Sexualität ist so unterschiedlich und einzigartig wie der Mensch der sie lebt und kann durchaus gelernt und kann im Laufe des Lebens weiterentwickelt werden. Dieses Wissen, gleich ob anatomischer, körperlicher, energetischer oder emotionaler Natur weiterzugeben, ist ein großer Teil meiner Arbeit. Auch darin zu unterstützen, einen wohlwollenden Geist zu entwickeln, der unser körperliches und emotionales Eigenleben erlaubt und gestattet ist ein wichtiger Lernschritt um sich selbst anzunehmen und um sexuelle Bewusstheit zu entwickeln.

Im Sexualcoaching, das ist oft der Einstieg über das persönliche Gespräch in den eigenen Körper, geht es darum sich Gedanken zu machen über die eigene sexuelle Geschichte. Wo komme ich her, wie war das sexuelle Umfeld in meiner Herkunftsfamilie, wie erlebte ich meine erste Menstruation, meine ersten sexuellen Erfahrungen usw. Gab es Gewalt in irgendeiner Form. Wo stehe ich jetzt? Mit mir, in Beziehung mit anderen? Wohin möchte ich? Was ist mein Anliegen für die körperorientierte Sexualbegleitung?

Hier erzählen viele Frauen, dass sie sich wieder oder mehr spüren möchten in ihrem Körper, in ihrer Lust, in ihrem Genitalbereich. Einige Frauen haben keinen Orgasmus oder Schwierigkeiten ihn mit dem Partner auszulösen. Gibt es den G-Punkt? Den möchte ich entdecken. Was ist Squirting? Gibt es das wirklich? Nach der Geburt meines Kindes spüre ich unten überhaupt nichts mehr. Ich habe fürchterliche Schmerzen, wenn der Penis eindringen möchte. Immer wenn ich mit meinem Freund schlafe, kommen schreckliche Bilder in mir hoch. Ich bin mitten in den Wechseljahren und unten rum bin ich so empfindlich. Das ist ein kleiner Einblick in die vielen Fragen, die Frauen zu diesem sehr persönlichen Thema haben und dennoch lässt er die Tragweite erkennen, die unsere Sexualität für uns bereit hält. Die Frauen sind froh, eine Anlaufstelle für diese Fragen gefunden zu haben. Endlich gehört zu werden, ernst genommen zu werden und Begleitung und Unterstützung zu erfahren. Denn sind wir doch mal ehrlich, diese Fragen sind so natürlich und normal und trotzdem kommen sie in unserem Alltag oft nicht zur Sprache. Frage dich mal, mit wem du aus deiner Familie oder im Freundeskreis ehrlich über sexuelle Probleme oder Erfahrungen sprechen kannst?

Mir fällt auch auf, dass viele Frauen keine wertschätzenden Worte für ihren Intimbereich haben. Scheide, Vagnia, Muschi, da unten, unten rum, sind für mich keine wertvollen Worte, um mein weibliches Genital zu beschreiben. Mir persönlich gefällt Yoni sehr gut, ein Wort aus dem Sanskrit, das Wertschätzung und die Ganzheit des weiblichen Geschlechts beinhaltet. Es beschreibt sowohl die körperliche Beschaffenheit, als auch die spirituelle Bedeutung des weiblichen Schoßes. Deshalb habe ich mein Unternehmen auch so genannt. Yonikraft, eine Zusammensetzung aus dem Wort Yoni und dem Wort Kraft, denn hier finden wir den Sitz unserer weiblichen Schöpferinnenkraft, unserer ureigenen Frauenkraft. Das eigene Geschlecht wertzuschätzen schenkt uns bereits einen großen Teil an Lebenskraft und Freude. Wenn sich die anerzogene Scham, Schuld, Hemmungen und alles was uns sonst hier einschränkt verabschieden wird immer klarer, sexuelle Energie ist ein Ausdruck von Lebensenergie, Kreativität und Freude.

Sich ganz bewusst mit der Yoni zu verbinden ist eine der ersten Übungen und bleibt eine zeitlang regelmäßige Hausübung für die Frau, um den Kontakt mit ihrem Intimbereich zu erneuern.

Hier setzt dann nach einiger Zeit der nächste Schritt an den die Frau wagt, um sich wieder in ihrem Körper und ihrer Yoni zu spüren. Sie vereinbart mit mir, ihr erstes Yonimassageritual zu empfangen. Dieses Ritual ist so individuell wie die Frau selbst und von Mal zu Mal eine „neue“ Erfahrung. Hier kann es  durchaus zu einer genitalen Berührung kommen, die Bestandteil von sexueller Selbsterfahrung und gesundheitspraktischer Sexualpädagogik ist. Sie ist keine sexuelle Handlung und keine sexuelle Dienstleistung und ersetzt auch keine Therapie.

Sinn und Zweck meiner Tätigkeit, als Gesundheitspraktikerin BfG für Sexualkultur ist, dass die Frau ihren persönlichen Weg zu einer gesunden, lustvollen und sinnlichen Sexualität findet und aktiv mit gestaltest. Für mich gilt hier das Prinzip der Eigenverantwortung und der freien Entscheidung, das heißt die Frau bestimmt wie weit sie in Übungen und Erfahrungen gehen möchte.

Wichtige Schlüssel in meiner Arbeit, sind der Atem, die Bewegung, die Stimme, eine große Portion Achtsamkeit und ehrliche Kommunikation untereinander. Ich lade die Frauen immer wieder ein in ihren Körper zu spüren, wahr nehmen, was gerade vor sich geht, welche Gefühle, Gedanken da sind und diese verbal oder über den Körper auszudrücken. Geschehen lassen, statt zu urteilen oder mir eine Meinung zu bilden. So entsteht ein Fließen im Körper, das uns im Hier und Jetzt sein lässt. Entspannung setzt ein und unser wunderbarer Körper, mit seinen vielen Gefühlen und Gedanken fängt an sich uns zu offenbaren. Wir erfühlen somit immer mehr was wir brauchen, nicht nur im sexuellen Bereich, sondern auch für unser Leben.

Dies war auch der entscheidende Wendepunkt in meinem Leben, ich habe durch viele Jahre Körper-und Atemarbeit, Yonimassagen, schamanisches Reisen in meine inneren Welten, kreatives Aufstellen usw., plötzlich ganz deutlich gespürt was ich möchte, was ich brauche und was meine Seelenwunden endlich heilen lässt. Ich bin die Reise in mein Schattenreich gegangen und als erwachsene Frau zurück gekehrt. Das verletzte missbrauchte Mädchen hat Annahme, Liebe und Heilung erfahren, die Kriegerin konnte endlich ihr gezücktes Schwert verstauen und ihre undurchdringliche Rüstung ablegen, die weise Alte hat mir Mut und Zuversicht gegeben und die Königin hat ihren rechtmäßigen Platz eingenommen, um es archetypisch zu beschreiben.

Aus diesen persönlichen Gründen habe ich mein berufliches Wirken und Weben in den Dienst der Frauen gestellt, denn es hat sich für mich mehr als gelohnt diesen Weg einzuschlagen und meine weibliche Sexualität zu heilen. Ich weiß, dass es für viele Frauen auch dieses Bedürfnis, dieses Sehnen gibt, nach ihrer weiblichen Kraft, ihrer weiblichen Lust und ihrer Selbstermächtigung. Ich kenne einige Wege dahin, den jede nur für sich selbst einschlagen kann, gerne begleite ich dich auf deinem Weg.